Jahresbilanz der IGW vorgestellt „Der Mieter hat die Wahl“

Iserlohn, 14.06.2011, Torsten Lehmann

 

Neben ihren Objekten am Nussberg und in Gerlingsen liegt ein weiterer Schwerpunkt der Modernisierungsmaßnahmen der IGW derzeit auf den Häusern „Auf dem Winkel“ in Wermingsen.
Iserlohn. Dass Holger Lohrbach ausgerechnet im 120. Jahr des Bestehens der Iserlohner Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (IGW) beim Bilanzpressegespräch am Dienstag einen Fehlbetrag für 2010 verkünden musste, beunruhigte den Geschäftsführer überhaupt nicht.
Denn zum einen war das Minus unter anderem dank des Verkaufs eines Objektes an der Lägerbachstraße mit 57 000 Euro fast nur halb so groß wie geplant (110 000 Euro). Und zum anderen weiß Lohrbach, dass der Grund dafür, die rund 3,5 Millionen Euro, die im vergangenen Jahr in bestandserhaltende und wertverbessernde Maßnahmen in den IGW-Häusern geflossen sind, sehr gut investiertes Geld sind. „Nur saniert und modernisiert werden wir die Wohnungen los“, sagt der Diplom-Ökonom mit Blick auf den Iserlohner Wohnungsmarkt, der sich komplett zum Nachfragemarkt gewandelt habe: „Der Mieter hat die Wahl.“Deswegen hat der Aufsichtsrat des kommunal angebundenen Wohnungsunternehmens auch zugestimmt, in diesem Jahr weitere 3,5 Millionen Euro zu investieren, selbst wenn es dadurch im 120. Geschäftsjahr einen geplanten Fehlbetrag von sogar knapp 500 000 Euro geben wird. Erklärtes Ziel sei es nämlich, den Sockel-Leerstand abzubauen: Rund die Hälfte von 40 Wohnungen, die verteilt über das Stadtgebiet schon länger leer standen, seien bereits in den ersten fünf Monaten des Jahres modernisiert und mit Erfolg angeboten worden.
„Bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen“ wurden und werden mit den Arbeiten generell stets Iserlohner Handwerksbetriebe beauftragt: „So partizipiert auch die Stadt über die Gewerbesteuer“, freut sich Lohrbach. Schwerpunkte der Modernisierungen seien neben dem Nussberg und Gerlingsen, wo die teils „stadtteilprägenden Arbeiten“ im kommenden Jahr abgeschlossen werden, drei Doppel-Mehrfamilienhäuser „Auf dem Winkel“, die 2013 fertig sein sollen. So wurde dort unter anderem bereits am Haus Nr. 13/15 ein Außenaufzug installiert, der eine Zugangsbrücke zu dem am Hang stehenden Gebäude ersetzt. Noch lieber als in die Außenanlagen und die Häuser im Allgemeinen, also den Eingangsbereich oder wie in Gerlingsen in eine gar nicht so kostenintensive, trotzdem aber sehr lohnenswerte Fassadenreinigung als Alternative zum Anstrich, investiere man aber zumeist direkt in die Wohnungen und das aus zwei Gründen: So habe erstens der Mieter unmittelbarer etwas davon, und zweitens vermeide man dadurch die kostenintensiven Maßnahmen, die die Energieeinsparungsverordnung für eine komplette Gebäudesanierung vorschreibt: „Zur Dämmung der Außenwände müssen sie dann noch das Dach, die Fenster und die Heizungsanlage anpacken, und das rechnet sich nicht, wenn man guten und vor allem preiswerten Wohnraum anbieten möchte“, erklärt Lohrbach mit Blick auf durchschnittliche Kaltmieten von 3,90 Euro (Altbau) bzw. 4,27 Euro (Neubau). Nach Modernisierungen würde stets auch nie mehr als die Hälfte der gesetzlich zulässigen Mieterhöhung von elf Prozent an die Mieter weitergegeben. „Denn die weiterhin steigenden Nebenkosten lassen uns dabei fast keinen Handlungsspielraum mehr.“
Weiter abwarten können Holger Lohrbach und der Technische Prokurist Gerhard Rademacher nur beim Thema Schlieperblock: „Nach den Sommerferien gibt es noch mal einen Termin vor Ort und dann hoffen wir bis zum Jahresende auf eine Entscheidung aus dem Landesministerium.“ Nachdem es kein Interesse mehr an einer Umnutzung gebe, könnte dann im kommenden Jahr der Abriss erfolgen. Ideen für danach gebe es schon einige, alle konkreten Planungen seien aber mit Blick auf das Votum aus Düsseldorf erst mal zurückgestellt.
Die schon mehr als drei Jahre währende Geschichte um das nach Meinung der Oberen Denkmalbehörde schützenswerte Gebäudeensemble, das wirtschaftlich aber nicht saniert und neu genutzt werden könne, war natürlich auch am Freitag Thema bei der Jubiläumsfeier zum 120-jährigen Bestehen. Gemeinsam mit Geschäftspartnern wie Banken und Handwerkern wurde in der SASE zurückgeblickt. Glänzend unterhalten wurden die Gäste von den beiden Schülerbands vom Stenner-Gymnasium, „MMM“ und „Großes BuBu Band“.

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